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Dienstag, 04.12.2007, 10:41
Heute ist es erstmal so weit gekommen, dass ich mein kleines Toechterchen schnappen musste und unser zu Hause verlassen musste, mein mann, Selina's daddy, hat so einen schlimmen ausbruch gehabt, dass ich keinen ausweg als die flucht zu den nachbarn gesehen habe....aber lass mich von vorne anfangen...vor gut 4.5 jahren, ich war studentin und l. war gerade vom basic training nach hawaii versetzt worden, haben wir und kennen und lieben gelernt, knapp 8 monate spaeter hat uns die grausame wirklichkeit eingeholt und du hast l. in den krieg nach afghanistan geschickt...beide voellig unvorbereitet was mit unserer lliebe passieren wuerde hab ich gefragt ob er wieder zu mir zurueck kommen wuere, er hat gefragt ob ich ihn auch als krueppel lieben wuerde...und dann die trennung, lange 12 monate lagen vor uns...doch die trennung sollte unsere liebe nur noch staerker machen, sodass wir in den 2 kurzen wochen urlaub die l. hatte geheiratet waren; die ersten 8 monate unseres gemeinsamen lebens haben wir getrennt durch deinen krieg verbracht....als l. dann endlich wieder heim kommen durfte, hast du ihn mir gebrochen zurueckgegeben...gezeichnet vom krieg und den erlebnissen ist er mit seinem/unserem leben daheim nicht mehr zurecht gekommen, und dabei sollte alles erst beginnen, ich war schwanger mit unserem ersten kind und wir waren gerade dabei unser erstes haus zu kaufen...ich wollte stark sein fuer uns beide, fuer uns drei, war fest entschlossen uns durch diese zeit zu bekommen, nicht aufzugeben, so schwer es auch war, seine hasstiraden und wutausbrueche einfach hinzunehmen, naechtelang allein zu sein als hochschwangere, mir seine bruellausbrueche anzuhoeren und mein baby und mich so gut wie moeglich zu beschuetzen...monate vergingen, und mit der zeit wurde es besser, ein bisschen zumindest, und gerade als er so ein bisschen die kurve gekratzt hatte schickst du ihn wieder weg um einen anderen krieg, diesmal im iraq, fuer dich zu kaempfen...diesmal waren 12 monate nicht genug...15 mussten es sein, und wieder trennte uns ein krieg, den wir beide nicht wollten und den du uns aufgezwungen hast...und diesmal sollte es noch schlimmer werden; die ersten 12 monate sind abgesehen von relativ geringfuergigen kratzern noch recht gut gegangen; dann folgten 3 folgenschwere bombenanschlaege...du konntest nicht einmal fuer adequate hilfeleistung und aerztliche versorgung im iraq sorgen...und dann gibts du mir meinen mann total gebrochen zurueck, mit einer traumatischen gehirnverletzung und akuten post traumatischen stress syndrom...und du laesst uns vollkommen allein damit...und wieder wollte ich mit aller kraft fuer ihn, fuer uns, und fuer unsere familie kaempfen, stark sein fuer uns alle drei, und ueber diese zeit hinwegkommen...auch wenn es diesmal so viel schwerer ist...ich bin in der hoelle, die hoelle der nacheffekte von deinen kriegen...mein baby, noch nicht mal ganz 2 jahren, kennt nichts anderes als diese hoelle...und sie hat das nicht verdient, sie hat recht auf ein leben ohne sorge und angst, doch du hast es ihr genommen wie du es auch so vielen anderen tausenden von kindern genommen hast, denen du den daddy oder die mommy genommen hast und dann gebrochen wieder zurueckgegeben hast....ich und die aber tausende andere military spouses haben es nicht verdient in der hoelle der kriegsnachwirkungen alleine zu versinken...hast du jemals einen gedanken an littel selina und die tausenden anderen kinder verschwendet, oder auch nur einmal an die familien gedacht, die du zerstoerrst mit deiner gedankenlosen politik...erklaer mir warum...dann kann ich zumindest versuchen es zu verstehen...hast du jemals dran gedacht, was deine politik fuer auswirkungen hat...und da ruehmst du dich mit dem exzellentem hilfenetzwerk fuer deine soldiers...was ist mit diesem netzwerk sobald die soldiers nach hause kommen, wer kuemmert sich dann...naechstes jahr ist deine zeit als president vorbei...was nimmst du mit von deiner zeit im weissen haus...worauf wirst du stolz sein...und wirst du dich an little selina und das schicksal so vieler anderer military kids erinnern...wirst du jemals noch einen gedanken an die schicksale der tausenden military families und meiner familie, die im sumpf der nachwirkungen von deinen kriegen versinken, verschwenden..und...wuerdest du alles nochmal genauso machen, wenn du die zeit zurueckdrehen koenntest....dear mr. president...soviele fragen, die ich fragen moechte...doch nur eine ist wichtig...WARUM?


Donnerstag, 01.11.2007, 01:34
ein soldat verbringt 15 monate im kriegseinsatz im iraq, geht mehrmals durch die hoelle und retour, und kommt beim letzten anschlag nur knapp mit dem leben davon, kommt heim und hat lehrbuch symptome einer traumatic brain injury, und alles was das military zu sagen hat ist das kopfweh wir schon wieder werden, hier ist ein rezept fuer schmerzmittel....
das hoert sich irre an, oder, dennoch, das ist im moment die traurige realitaet von l. und mir...
nach langem hin und her haben wir letzte woche endlich einen termin beim neurologen gehabt, und dann noch angeblich mit dem besten neurologen von der ganzen station im military spital; der termin war bei einer military aerztin, selbst mit erfahrungen mit kriegseinsatz. erstaunlicherweise ist l. sehr offen in ihre praxis gegangen und hat ihr erzaehlt wie scheisse es ihm geht, wie sehr es ihm angst macht, dass er oft nicht weiss, was er grad seiner frau erzaehlt hat, und wie er sich auf nichts konzentrieren und nicht fokusieren kann, wie schlimm seine kopfschmerzen sind und wie schlimm seine uebelkeit zeitweise ist, er hat ihr alle symptome aufgezaehlt vom fingerzittern bis hin zu anxiety und seiner sorge von niemandem erst genommen zu werden; er hat sie regelrecht angefleht um hilfe; ich war total von den socken, dass er so offen ueber seine probleme gesprochen hat...
doch dann kam ihre erschuetternde reaktion, das kopfweh wird schon wieder werden, das braucht halt zeit und er koennte schmerzmittel haben...
what is wrong with this picture...
wenn ich mich recht erinnere lebe ich in den USA, ein land das viele als global leader, demokratisch, und highly developed bezeichnen; das selbe land schickt seine soldaten, die juengsten sind grade mal 17 jahre alt, ohne wirkliche vorbereitung - abgesehen von spezialeinheiten - in den iraq, laesst sie dort 15 monate (nur die armee bleibt 15 monate am stueck, navy und marines sowie air force bleiben jeweils nur bis zu sechs monate) mehrmals durch die hoelle gehen, und wenn dann was passiert, dann ist ploetzlich niemand mehr zustaendig; verletzungen, die nicht sichtbar sind wie ein weggesprengtes bein, werden nur in den aller einzelsten faellen ueberhaupt registriert! die devise heisst augen zu und runter schlucken ohne ruecksicht auf verluste; und da wuerde man meinen, die regierung, das militaer, oder wer sonst noch so in charge ist, haette aus erfahrungen wie vietnam, oder auch dem ersten golfkrieg gelernt und aus tragischen zwischenfaellen wie soldaten, die vom iraq kommen und ihre frauen umbringen...
so...what is wrong with this picture...einmal zum mond und zurueck ist nicht genuegend zeit um aufzuzaehlen was alles damit nicht stimmt...ich koennte mich endlos auslassen ueber engstirnigkeit und oelvorkommen und verbrauch, oder auch politischen gerede und clientism...
das bedrueckenste an der ganzen sache ist aber, dass das alles nicht nur statistik und schlecht reden ist, schicksale und menschen wie mein mann und ich oder meine gute freundin ariana und ihr mann sind die realitaet, die zurest vom krieg zerissen und dann vom militaer und im weiteren sinne von der regierung getreten werden...
eines hab ich jedoch in meiner kurzen laufbahn als military wife (3.5 jahre und 2 kriegseinzaetze) gelernt: ich lass mich vom militaer weder einschuechtern noch unterkriegen und ich verlange lautstark was mir und meiner familie zusteht und kaempfe mit allen mitteln darum, und so hab ich waehrend des neurologen termins nicht einfach alles hingenommen sondern hab die military aerztin ge-challenged und im endeffekt zumindest erreicht, dass l. einen termin fuer einen neuropsychologisches gutachten, ein MR, und ein gutachten von physical therapy bekommt...ein kleiner erfolg...jetzt heisst es wieder abwarten und warten auf den naechsten termin und so gut wie moeglich mit l. und seinem schwankenden zustand umgehen...


Dienstag, 16.10.2007, 10:58
also, nachdem ich mich bis jetzt ausschliesslich mit iraq und den nachwehen beschaeftigt habe - scheint ja mein leben im moment total zu vereinnahmen - hab ich beschlossen, dass ich mich heut mal ueber eines meiner favorit topics auslasse: was mich hier auf der insel so nervt und was mir von wien so sehr fehlt!

1. eine baeckerei: dieses elendige amerikanische brot, dieses weiche, schwammige sandwich brot, elend...marillenschnecke beim baecker in klosterneuburg, koerndelbrot vom stroeck, laugenweckerl...davon traeumt man hier im land des ewigen mantsche brots...dazu kommt natuerlich, dass man in dem hawaiian tropic climate nichts einfach in eine brotlade oder dose geben kann, alles muss in den kuehlschrank oder freezer, was das mantsche brot dann zum steinernen matsche brot macht...

2. kaltes regen und schnee wetter...der ewige sommer kann einem zeitweise ganz schoen auf die nerven gehen...was mir auch total abgeht sind die jahreszeiten, erste fruehlingssonnenstrahlen, die herbstblaetter, schnee, rodeln, und schifahren! so irre sich das anhoert, aber nach 5 jahren ewigem sommer sehnt man sich nach abwechslung.

3. inselleben: man braucht 1.5 stunden um einmal um die insel zu fahren, oder 6 wenn man im ueblichen verkehr steckt, bis zur naechsten zivilisation (los angeles) sinde es knapp 6 flugstunden, in a nutshell, ich sitzte mitten im pazific.

4. das militaer, allzeit praesent, staendig vor der nase... wie schoen ist es da in oesterreich, wenn sich das leben um noch was anderes als die taegliche portion millitary news dreht.

5. die heurigen: nicht dass ich ein weintrinker bin, ganz im gegenteil, ich bin sportlerin und trinke gar nicht, aber es gehts nichts ueber einen lauen abend beim heurigen mit dem ueblichem essen...liptauerbrot und traubensaft...dafuer wuerd ich grad die welt geben...

6. bummeln durch die innenstadt: das geht mir richtig ab, hier ist alles in riesen shopping malls, natuerlich klimatisiert, die meiste zeit friert man beim shoppen...das schoene bummeln, stoppen im kaffeehaus, ...

7. kulturelles angebot: das maximum an kultur ist kino - die ueblichen hollywood kassenschlager, sonst hat die insel ausser vielleicht man ein bissl hula musik nicht viel zu bieten...

8. vernuenftige clothes: wegen der hitze haengt man hier immer nur in shorts, bikini und schlapfen herum, ich weiss, das hoert sich auch wieder irre an, aber zeitweise fuehlt man sich schon wie eine richtige badeschlapfe...

9. ein guter italiener...was es in wien beinah an jeder strassenecke gibt ist hier mangelware, auch eine richtig gute pizza bekommt man hier nicht...

10. touristen, die nicht auf die radler aufpassen: ich bin seit jahren mit dem rennrad auf der strasse unterwegs, und sicher gibt es immer wieder scary situations auf den schnellstrassen ausserhalb von wien, doch passiert ist mir in oesterreich oder deutschland noch nie was; in den ersten 15 monte meines lebens in hawaii bin ich 2 mal am radel angefahren worden, beide male von einem touristen, und beide male natuerlich mit der aussage, sie haetten mich nicht gesehen, das dritte mal war ich am moped und bin dann auch prompt im krankenhaus gelandet mit verdacht auf innere blutungen, war aber dann gott sei dank nur starke brellungen und quetschungen...obwohl die oesterreicher sicher nicht die besten autofahrer sind, besser als die amerikaner sind sie allemal!

11. ok, was positives: ganzjaehriges training im freien, ich kann immer radeln und laufen in shorts, und schwimmen im freien, was fuer wettkampfvorbereitung (triathlon) natuerlich ein riesen vorteil ist

12. was ich noch liebe: meine palmen im garten

13. grosse kuehlschraenke, da kann man endlich ordentlich viel getraenke einkuehlen, ohne gleich jegliche essbaren sachen verbannen zu muessen

14. das wetter, ich weiss ich hab grad ueber den ewigen sommer gejammert, aber etwas hat es schon an sich, traegt viel zur stimmungsaufhellung bei, wenn einem in der frueh die sonne entgegen lacht

ok, ich glaub das waren die wichtigsten punkte, noch was was mich ankotzt, aber natuerlich nicht wirklich was mit der insel zu tun hat ist Mr. Bush...das ist aber ein anderes thema und verdient eine extra story...